Das arbeitsreiche Jahr des Winzers

Geschrieben von Klaus-Dieter Gwiasda am 13. Februar 2012

Bevor wir unseren Lieblingswein beim Weinhändler oder Weinversand kaufen können, hatte der Winzer ein ganzes Jahr lang viel Arbeit mit der Aufzucht und Pflege der Reben.

Das Arbeitsjahr eines Winzers beginnt im Januar mit dem Rebschnitt. Hierbei schneidet er mit der Rebschere das im vergangenen Sommer gewachsene Rebholz zurück. So bringt er den Rebstock wieder in die adäquate Form für das kommende Jahr. Die speziellen Formen des Rebschnitts sind genauso unterschiedlich wie die verschiedenen Erziehungsformen und  Pflanzdichten, alle drei Faktoren müssen eng aufeinander abgestimmt sein. Mit dem Rebschnitt nimmt der Winzer bereits großen Einfluss auf Weinmenge und Weinqualität des folgenden Jahres. Lässt er dabei reichlich Fruchtansätze stehen, wird die Pflanze zahlreiche Fruchttriebe entwickeln und einen hohen Ertrag zur Folge haben. Schneidet der Winzer das einjährige Holz weiter zurück, verkleinert er damit die Ausbeute, da sich nun weniger Fruchttriebe ausbilden werden. Die Pflanze erhält so die Möglichkeit, ihre gesamte Energie auf die wenigen Trauben die sie trägt zu konzentrieren. Dieser Ertragsschnitt dauert häufig bis in den Februar hinein.  Wenn diese Arbeiten beendet sind, kommt mit dem März bereits die richtige Zeit, um an den erforderlichen Stellen neue Weinreben zu pflanzen. Zudem müssen die Weinberge nun gründlich überholt werden. Neue Umfriedungen und schützende Gitter sollen verhindern, dass Wild die Rebstöcke durch Fraß beschädigt. Außerdem müssen Mauern, Wege, Treppen, Drähte und Pfähle sowie die Entwässerung des Weinberges kontrolliert und gegeben falls ausgebessert werden. Im April beginnt der Winzer mit den Arbeiten am Weinbergsboden. Er lockert ihn zunächst mit Fräsen oder dem Pflug und düngt ihn wenn es ihm nötig erscheint. Zudem beseitigt er das gleichwohl aus dem Winterschlaf erwachte Unkraut. Die austreibenden Reben werden an die Drähte und Pfähle angebunden und mit Spritzmitteln zum ersten Mal gegen verschiedene  Krankheiten und Schädlinge geschützt. Der Mai steht ganz im Zeichen des Schutzes der Rebe gegen die gefürchteten Spätfröste, die bereits bei -3°C die gesamte Hoffnung auf eine gute Ernte vernichten können. Man verhindert die Folgen heute durch die Berieselung der Reben mit Wasser, welches eine schützende Eisschicht über den Blütenknospen bildet.

Immer mehr Winzer verzichten auf Pestizide

Im Juni werden die Reben zum ersten Mal „gegipfelt“, die stark wachsenden Triebe werden gekürzt, damit die Pflanze nicht ins Kraut schießt. Dieses geschieht oft maschinell. Daneben geht  der Kampf gegen drohende Schädlinge der Rebe durch Pilzerkrankungen oder Insekten weiter. Immer mehr qualitätsbewusste Winzer schränken dabei den Einsatz von Pestiziden ein oder benutzen biologische Pflanzenschutzmittel. Die Arbeiten im Juli unterscheiden sich von denen des Vormonats kaum. Es können nun umfangreiche Laubauslichtungsmaßnahmen nötig sein, um den Trauben den Zugang zum Sonnenlicht zu ermöglichen. Im August wird das Wachstum der Rebe abschließend durch Abschneiden aller Triebspitzen komplett gestoppt. Alle Achtsamkeit des Winzers gilt nun der Gesundheit des Traubengutes, das langsam in seine Reifeperiode kommt. Nun schneiden immer mehr Winzer auch überflüssiges und gesundes Traubengut weg, um den Ertrag zu reduzieren. Dadurch fördern sie die Qualität des Weines beträchtlich, denn eine alte Faustformel sagt: Je geringer die Menge der Trauben, desto höher die Güte der Trauben. Ab Ende August ist das Betreten der Weinberge zum Schutze des Leseguts nur noch den Weinbergsaufsehern erlaubt. Nun dürfen auch keine Pflanzenschutzmittel mehr versprüht werden, damit die häufig gesundheitsschädigenden Stoffe nicht in den Wein gelangen.

Zur Lese werden alle Kräfte mobilisiert

Am Ende des Sommers prüft der Winzer den Zustand des Traubengutes auf seinen Entwicklungs- und Reifegrad. Die Lese beginnt, sobald die Trauben einen bestmöglichen Reifezustand erreicht haben. Gegen Ende September beginnt in den meisten Weinanbaugebieten der Nordhalbkugel die Hauptlese. Sie endet je nach Rebsorte teilweise erst Ende Oktober. Noch später werden die Trauben für edelsüße Weine geerntet. Die Lese von Trauben für Eiswein kann sich sogar bis Januar hinziehen.

Foto: Annamartha / pixelio.de

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Autor: Klaus-Dieter Gwiasda
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