Muskulatur der Lendenwirbelsäule

Geschrieben von Tobias Kasprak am 16. April 2012

Muskeln der  lumbalen Wirbelsäule

Um degenerative Veränderungen der Wirbelsäule darzustelllen und mögliche Therapieansätze aufzuzeigen und zu vergleichen muss auf die Rumpfstreck- und Rumpfbeugemuskulatur näher eingegangen. Um die Gesamtwirkung der Muskulatur erklären zu können muss der Einfluss der Schwerkraft mit einbezogen werden. Die Beugung des Rumpfes im aufrechten Stand wird durch die Schwerkraft unterstützt, im Liegen hingegen muss bei gleicher Bewegungsrichtung gegen die Schwerkraft gearbeitet werden. Für die Trainierbarkeit der Muskulatur bedeutet dies, dass eine Rumpf- vorwärts- Beugung durch die kurzfaserigen Muskelfasern der tiefen Rückenmuskeln aufrecht gehalten werden kann. Beugt man im aufrechten Stand den Oberkörper jedoch rückwärts, arbeitet die gerade Bauchmuskulatur entgegen der Schwerkraft und verhindert ein weiteres Absenken nach dorsal. Bei einer Seitwärtsneigung des Oberkörpers im aufrechten Stand arbeitet die Muskulatur der  konvexen Körperseite gegen das seitliche Umkippen. In der horizontalen Lage kehrt sich dieser Effekt um und die Bauchmuskulatur arbeitet bei der Rumpfbeugung gegen die Schwerkraft, die Rückenmuskulatur bei der Rumpf(über)streckung (Hyperextension).

Kommt es durch eine körperliche Inaktivität oder einseitige Kraftentwicklung zu einer Störung der Beuge-, und Streckmuskulatur führt dies im Verlauf zu einer muskulären Dysbalance. Um Trainingseffekte zu ermöglichen ist darauf zu verweisen, dass tonische Muskel, die überwiegend Haltefunktion erfüllen eher zur Verkürzung ihrer normalen Länge führen, phasische Muskeln mit ihrer in erster Linie dynamischen Funktion eher zur Abschwächung neigen.

dorsale Muskulatur:

Die Wirbelsäule befindet sich ständig in einem labilen Gleichgewicht, das durch lange und kurze, in den Furchen der Dornfortsätze gelegenen Muskelzüge, sowie die Bauchmuskulatur, den Lendenmuskel und die Rippenmuskulatur, aufrechterhalten wird. Die an der Statik der Wirbelsäule beteiligte Muskulatur unterliegt einem ständigen Tonus. Kommt es zu einer Verkürzung der ventral der Wirbelsäule liegenden Muskelgruppe entspannt gleichzeitig die dorsal gelegene Rückenstreckmuskulatur. Es erfolgt eine ständige Nachregulierung, welche eine komplizierte Tätigkeit des Nervensystems voraussetzt.

Die dorsal gelegenen tiefen langen und kurzen Muskelstränge (M. errector spinae) liegen rechts und links der Dornfortsatzlinie und wirken wie Gummizüge bzw. Federbremsen. Sie wirken Flexionsbewegungen und Seitwärtsbewegungen der Wirbelsäule entgegen und bewirken bei Kontraktion eine Aufrichtung des Rumpfes aus der Beugung in eine Streckung. Der M. errector spinae wird in zwei große Muskelstränge, den allein auf die Wirbelsäule beschränkten medialen und seitlich davon gelegenen lateralen Strang eingeteilt. Der mediale Muskelstrang wird weiterhin in ein spinales und transversospinales System eingeteilt.

Das spinale System setzt sich aus den Zwischendornfortsatz- Muskeln (Mm. Interspinales) im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule, dem Dornmuskel (M. Spinales) im Bereich der obersten 3 Lenden- und zwei untersten Brustwirbel bis zum 3.-9. Brustwirbel und den Zwischenquerfortsatzmuskeln (Mm. intertransversarii) als paarige Muskelbündel zwischen den Querfortsätzen der Hals,- und Lenedenwirbelsäule zusammen.

Das transversospinale System stellt einen langen Muskelzug dar, der komplett in der Rinne zwischen den Dorn,- und Querfortsätzen verläuft und im Bereich der Lendenwirbelsäule am stärksten ausgeprägt ist. Dieses System wird unterteilt in Drehmuskeln (Mm. rotatores), die vorrangig im Bereich der Brustwirbelsäule verlaufen, den vielgeteilten Muskeln (Mm. multifidi), die an den Querfortsätzen im Bereich der Lenden,- Brust,- und Halswirbelsäule entspringen und an den Dornfortsätzen ansetzen und dabei 3 Wirbel überspringen. Darüber hinaus zählen zu den transversospinalen System der Halbdornmuskel (M. Semispinales), der von allen Brustwirbeln zu den Dornen der 5- 6 oberen Brust,- und 3- 4 unteren Halssegmente verlaufen und der dorsale Kopfwender (M. Semiospinales capitis), der von den Querfortsätzen der 7 oberen Brustwirbel und den Gelenkfortsätzen der 4- 5 unteren Halssegmente zum Hinterhauptbein verläuft.

Die Hauptmasse der tiefen langen Rückenmuskulatur macht der laterale Muskelstrang des Rückenstreckers (M. Sacrospinalis) aus. Der Rückenstrecker entspringt von der Hinterfläche des Kreuzbeins, den Dornfortsätzen der unteren Lendenwirbel, vom dorsalen Abschnitt des Darmbeinkammes und der Innenfläche der Lendenrückenbinde. Eingeteilt wird der Rückenstrecker in den Langmuskel des Rückens (M. Longissimus) und dem Darmbein- Rippenmuskel (M. Iliocostalis), von dem nur Ersterer die Platte des Schädels erreicht. Der Langmuskel ist für Streckbewegungen und Seitwärtsneigungen der Wirbelsäule verantwortlich und erhält seinen Ursprung am Lendenabschnitt der Wirbelsäule und setzt an den Querfortsätzen der unteren Brustwirbel und unteren Rippen an. An dieser Stelle entstehen neue Ursprünge die den Muskel bis zur unteren Halswirbelsäule fortsetzen und von dort mit wieder neuen Ursprüngen bis zum Warzenfortsatz des Schläfenbeins (Proc. Mastoideus ossis temporalis) ziehen.

Der Darmbein- Rippenmuskel (M. Iliocostalis) beschreibt den lateralen Teil des Rückenstreckers und unterstützt in seiner Funktion den Langmuskel. Er entspringt von den Rippenwinkeln. Erst im Bereich des Halses findet der Darmbein- Rippenmuskel Kontakt zur Wirbelsäule. Zum lateralen Muskelstrang der Wirbelsäule zählt zusätzlich der Riemenmuskel (M. Splenius).

Weiterhin tragen der Rippenhalter (M. Scalenus anterior, medius et. Posterior) und der obere und untere hintere Sägemuskel (M. Serratus posterior superior et inferior) zu Statik der Wirbelsäule bei.

Die ventral gelegene Muskulatur

Die gerade und seitliche Bauchmuskulatur übt zusammen mit der Schwerkraft und der Wirbeslsäulen-, und Beckenbodenmuskulatur entscheidenden Einfluss auf die Haltung der Wirblesäule aus.

Der gerade Bauchmuskel (M. rectus abdominis) verläuft zu beiden Seiten der Medianlinie des Bauches. Dieser etwa 40 cm langer, 7 cm breiter und in etwa 1 cm dicker Muskel entspringt mit 3 Zacken von der Außenfläche des 5. – 7. Rippenknorpels und dem Schwertfortsatz des Brustbeines (Proc. xiphoideus sterin) und setzt zwischen dem Schambeinhöcker (Tuberculum pubicum) und der Symphyse an. Der gerade Bauchmuskel weist 3- 4, bis zu einem cm hohe, sehnige Querleisten auf, die den Muskel in 4- 5 einzeln kontrahierbare Abschnitte aufteilt.

Der äußere schräge Bauchmuskel (M. obliquus externus abdominis) als größter Bauchmuskel weist eine 0,7 cm dicke, vierseitige Platte auf und entspringt beidseits der 5. – 12. Rippe. Als Ansatz dient dem äußeren Schrägen Bauchmuskel der Darmbeinkamm, die Linea alba und das Leistenband.

Der ca. 1 cm dicke, innere schräge Bauchmuskel (M. obiquus internus abdominis) verläuft unterhalb des äußeren schrägen Bauchmuskels und entspringt vom oberflächlichen Blatt der Lenden- Rückenbinde (Fascia thoracolumbalis) von der mittleren Lippe des Darmbeinkammes (Linea intermedica cristae iliacae) sowie von der lateralen Hälfte des Leistenbandes. Die hinteren Züge des äußere schrägen Bauchmuskels setzen an den letzten 3 Rippen an. Die mittleren Züge unterkreuzen rechtwinklig den äußeren schrägen Bauchmuskel und gehen in die Aponeurose über. Aufgrund der anatomischen Verlaufsrichtung der Muskelfasern arbeiten die innen schrägen Bauchmuskeln mit den äußeren schrägen Bauchmuskeln der gegenüberliegenden Seite zusammen.

Mehr zum Thema Rückenschmerzen

Ihr Tobias Kasprak

Foto: Klaus Radloff / pixelio.de

Das könnte Sie auch interessieren:

Tags: , ,

Autor: Tobias Kasprak
Kurzvorstellung:

Diesen Artikel kommentieren

  • CCiUSA